15 Jahre Precious Time Cover-Rockband von der Alb feierte am 29. Juli 2000 ihr Jubiläum in Mägerkingen Mit Witz, technischem Können und hohem musikalischem Anspruch haben Karin Margenfeld (Kaddo), Achim Wichtler, Volker Bez, Markus Rominger (Paa), Ralph Gräther und Jochen Lebherz (Surre) aus der einstigen Schülerband eine überregional gefragte Band mit großem Renommee gemacht. "Hosch et Bock auf a Bäänd??" — vor 15 Jahren, im Juni 1985 stellte der Gründer David Albrecht diese Frage an vier Jungs, die bis zu diesem Tage noch nie richtig ein Instrument in den Händen hielten. Volker Bez, Ralph Gräther, Stefan Kuhn und Harry Bez zögerten nicht lange - David organisierte ein Schlagzeug; Volker, der Drummer werden wollte, die Waschküche seiner Mutter als Proberaum. Wer hätte je gedacht, dass in der Waschküche nie wieder Wäsche trocknen sollte ... In den Sommerferien, nach Abschluss der 9. Klasse, wurden sechs Songs für den ersten Auftritt eingeprobt. Und obwohl die Vorbereitung noch lange nichts profihaftes an sich hatte, wurde der erste Gig gleich ein Erfolg: Karin Margenfeld — Kaddo — ließ sich von der Begeisterung anstecken und gesellte sich zu dem Haufen. Die angehenden Musiker lernten mit ihren Instrumenten umzugehen, studierten weitere Songs ein und hatten einfach Spaß dabei, andere zu unterhalten und die Herausforderung "Band" zu bestehen. Der Proberaum in Bernloch wurde zum Treffpunkt für Insider.
 
Ralph erzählt: "Unsere Kumpels waren verdammt stolz auf uns, weil wir eine echte Band hatten! Unser gesamtes Leben drehte sich darum — es wurde zusammen Musik gemacht und natürlich auch viel gefeiert." Zuhause auf der Alb funktionierte die Mund-zu-Mund-Propaganda ganz gut, so dass die Band sporadisch für ein paar hundert Mark Gage bei Partys spielte — Songs wie "Verdamp' lang her", "Tausend Mal berührt", "Cocain", "Hey Joe" und auch einige Eigenkompositionen wurden bei verschiedensten Anlässen zum Besten gegeben. Am Anfang blutjung, blauäugig und gehörig dilettantisch wuchs die Band an ihren Aufgaben.
 
Durch fleißiges Üben und Eigenstudium lernten die Musiker ihre Instrumente immer besser zu beherrschen. So wurden auch die Auftritte zunehmend professioneller angegangen. Als entscheidenden Auftritt erinnert sich Volker noch an ein Konzert in der Festhalle in Neufra, als Vorgruppe von Jackpot: "da haben wir als grüne Jungs einen Volltreffer gelandet — das war für uns der richtige Hammer!" Hier nahm der Erfolg seinen Anfang — ausgelöst durch den eigenen Spaß an der Sache und durch die gute Publikumsresonanz. 1990 kaufte die Band eine erste kleine Anlage und Boxen, eine erste technische Grundausstattung — jedes der Bandmitglieder mußte die für die damaligen Verhältnisse unerhörte Summe von 1000,- DM einbringen.
 
Die Position am Keyboard wechselte: Achim Wichtler kam dazu. Außerdem ein zusätzlicher Gitarrist: Marcus Maier — dadurch hatte Ralph die Möglichkeit sich mehr dem Gesang zuzuwenden. Die beginnenden Neunziger waren geprägt durch eine rege Nachfrage nach Precious Time. Dabei entwickelten sich regelrechte "Stamm-Auftritte" an Orten wie der Festhalle in Mägerkingen, der "Oase" in Oberstetten und bei verschiedenen Motorradtreffen. Der "Adler" in Meidelstetten mußte bei einem Precious Time-Auftritt sogar wegen Überfüllung geschlossen werden! Kaddo dazu: "Die Auftritte wurden nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Band selbst zum Kult — 1991 wurde zum richtigen Kultsommer.
 
Beim Motorradtreffen in Geislingen bei Balingen bot ein älterer Herr aus dem Publikum 20.000,- DM, wenn wir mit dem Krach während des Soundchecks aufhören; Volker hatte bei dem Gig ein gesplittertes Fingergelenk und Probleme mit einem nicht mehr ganz Nüchternen, der ihn liebevoll bedrängte — da haben wir viel improvisiert ... Auch Ralph meint: "Das war DER Sommer. Wenn Freitags ein Auftritt war, ging der bis Sonntagmorgen. Übernachtung im Kornfeld, Hefeweizen zum Frühstück, Ausschau nach der nächsten Party — wir haben wochenlang nur gefeiert ..." In der Zeit wurde auch weiter an eigenen Songs gearbeitet. Ralph Gräther: "Wir haben unter anderem einen Song von Harry Bez gespielt, der von seinen Eindrücken aus einem Indienurlaub handelte — aber wir hatten einfach keinen richtigen Songwriter, der uns auf den Leib geschnitten war." So blieb es mit "Indien" eigentlich beim einzigen richtig guten eigenen Song. Ralph: "Die bekannten Songs kamen beim Publikum besser an und stellten auch für uns immer wieder eine Herausforderung dar — nämlich die Musik von Weltklassemusikern zu spielen." So wurde Precious Time zur Coverband aus Überzeugung. Und der Erfolg hält bis heute an. Nach dieser Flegelzeit änderte sich das Programm und die Technik entwickelte sich fort: Whitesnake, Foreigner, Billy Joel, Manfred Man, Bap gehörten zum Repertoire.
 
Im Jahr 1993 verließ Harry Bez die Band. Ersatz wurde gesucht. Achim: "Ich hab den Jungs in einer Probe erzählt, dass bei meiner Mutter einer Bier ausfährt, der Bass spielt. Wir fuhren ins Charivari nach Ebingen, wo Markus Rominger mit seiner damaligen Band basste. Volker wollte nur wissen, ob Paa mit dem Schlagzeug groovt. Paa kam zum Vorspiel und nachdem er der einzige Bewerber war, hat er die Stelle bekommen." Wie immer kam es dabei nicht nur auf die musikalischen Fähigkeiten an — das Menschliche hat einfach gepasst und das spielte und spielt bei der Band eine ganz entscheidende Rolle. 1995 stieß Jochen Lebherz als Leadgitarrist an Stelle von Marcus Maier zu der Band. Seither spielt Precious Time in unveränderter Besetzung: mit Jochen Lebherz, Achim Wichtler am Keyboard, Volker Bez am Schlagzeug, Markus Rominger am Bass, Ralph Gräther und Karin Margenfeld Gesang. Musikalisch wurde ein hohes Niveau erreicht, was sich auch in der überregionalen Nachfrage zeigte. Paa: "Wir hatten Erfolg! Wir waren wer. In Laichingen, im Tabu, spielten wir zum ersten Mal "in the air tonight" von Phil Collins. Einer der Macher vom "Fest auf zwei Ebenen" hÜrte uns. Er war so begeistert, dass er uns für Tübingen engagierte." Um sich weiter zu verbessern nahm Ralph in der Zeit 2 1/2 Jahre lang Gesangsunterricht bei seiner früheren Musiklehrerin. Kaddo musste ein Jahr lang aussetzen, wegen Problemen mit den Stimmbändern. Glücklicherweise konnte Siggi Heppeler aus Konstanz den Platz gut ausfüllen, bis Kaddo das Mikro wieder in die Hand nehmen konnte. Prägend für Precious Time ist die Spielfreude und der Witz, der manchmal schon nahe am Kabarett ist. Dazu ein offenes Bekenntnis zum Coverrock und eine gekonnte und virtuose Interpretation von guter und zeitloser Rockmusik. Ralph: "Wir sind heute stolz darauf, dass wir einige der Klassiker der Rockgeschichte wie "Music" von John Miles oder "Mama" von Genesis gekonnt präsentieren können.
Daran hätten wir vor 15 Jahren sicher nicht gedacht!" Kaddo und "die Jungs" sind keine Fulltime-Musiker, jeder hat einen"ordentlichen" Beruf und übt diesen auch aus. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Precious Time für die Bandmitglieder nur ein Hobby ist. Wer die sechs Musiker je auf der Bühne erlebt hat, spürt hautnah, was Surre ausdrückt: "Es ist für uns einfach wichtig, dass wir voll hinter dem stehen, was wir tun: mit Spaž und Leidenschaft Musik zu machen — das ist Lebensqualität." Precious Time war am 29. Juli in Mägerkingen im Festzelt am See zu erleben. Zum Jubiläum standen auch ehemalige Bandmitglieder mit auf der Bühne.